Leiblichkeit – Identität – Gewalt: Der mehrperspektivische by Holger Jessel

By Holger Jessel

Gewaltverhalten sowie dessen lebensgeschichtliche Entstehung sind eng an die Körper- und Leiberfahrungen sämtlicher Beteiligter gekoppelt. Missachtungs- und Ohnmachtserfahrungen hinterlassen in der Regel deutliche Spuren, häufig auf der basalen Ebene der leiblichen Integrität. Menschen können sich diesen Spuren deshalb nicht vom Bewusstsein aus (top-down) nähern, sondern in erster Linie über körperlich-leibliche Erfahrungen (bottom-up).
Der vorliegende Ansatz arbeitet mit einer wesentlichen Ressource von Kindern und Jugendlichen: mit deren leiblicher Verankerung in der Welt. Körper-, Leib- und Bewegungserfahrungen ermöglichen ihnen unmittelbare Erfahrungen der Kontrolle und Selbstwirksamkeit, des Lustgewinns, der Selbstwerterhöhung sowie confident zwischenmenschliche Erfahrungen. Diese ressourcen- und bedürfnisorientierten Qualitäten sind an sich bereits entwicklungsfördernd, sie stellen jedoch außerdem die wesentlichen Voraussetzungen dafür dar, dass sich Klienten auch schwierigen Entwicklungsthemen stellen können. Die Unmittelbarkeit von Körpererfahrungen ist zudem klärend und bewusstseinsschaffend und kann im Sinne einer reflexiven Leiblichkeit zur Grundlage von individuell bedeutsamen Reflexionsprozessen werden.

Show description

Read Online or Download Leiblichkeit – Identität – Gewalt: Der mehrperspektivische Ansatz der psychomotorischen Gewaltprävention PDF

Similar german_11 books

Generationswechsel in Familienunternehmen: Psychologische Aspekte des Führungswechsels

Die Autorin - Kauffrau und Diplompsychologin mit dem Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie - liefert in dieser Arbeit erstmals einen psychologisch fundierten Beitrag zu Problemen des Generationswechsels in Familienunternehmen.

Tod und Gesellschaft: Sozialwissenschaftliche Thanatologie im Überblick

Neben einer historischen und sozialstrukturellen examine von Sterben und Tod werden folgende soziale Probleme behandelt: Sterben im Krankenhaus, Lebensverlängerung und -verkürzung, aktive Sterbehilfe, Mord, Suizid, Krieg. "Das Buch bedient sich einer sehr klaren Sprache, ist mit großem Gewinn zu lesen und regt zum weiteren Nachdenken an [.

Genetische Untersuchungen und Persönlichkeitsrecht

Neue Entwicklungen in Biomedizin, Genetik und Informatik führen zu einem erheblichen Wissenszuwachs im Verständnis der Ursachen und Entstehungsmechanismen von Krankheiten. Damit verbunden ist die Hoffnung, zukünftig individuelle Krankheitsrisiken frühzeitiger zu erkennen und durch gezielte Maßnahmen der Entwicklung von Krankheiten vorzubeugen.

Additional info for Leiblichkeit – Identität – Gewalt: Der mehrperspektivische Ansatz der psychomotorischen Gewaltprävention

Example text

Cassirer 1982; zit. nach Reich 2002, 81) versucht er nachzuweisen, „daß die symbolische Funktion eine allgemeine Vermittlungsfunktion ist, mit der der menschliche Geist bzw. das menschliche Bewußtsein sämtliche Welten seiner Wahrnehmung bzw. seiner Konstruktion von Wirklichkeit erreicht“ (Reich 2002, 81). Das Symbolische kann in diesem Zusammenhang als Möglichkeit beschrieben werden, der Realität Sinn zu verleihen; dabei nimmt der menschliche Geist eine aktive Konstruktion seiner Wirklichkeit vor.

Jedes Wertesystem, jede Ideologie, jede Beschreibung ist eine Operation in einem Konsensbereich, dessen Gültigkeit nur durch jene hergestellt wird, die sie durch ihr konsensuelles Verhalten validieren. Für mich ist dies eine meiner grundlegenden Entdeckungen. Viele haben davor Angst, da sie meinen, eine derartige Auffassung könnte alles rechtfertigen, und Gut und Böse, Wahrheit und Falschheit würden dadurch im Prinzip gleichbedeutend und gleichwertig. Dies ist natürlich nicht der Fall, und zwar nicht deshalb, weil es hier um apriorische Differenzen ginge, sondern weil es sich dabei um Kategorien handelt, die für die erkennenden Individuen, die ihre konsensuellen Bereiche als operationale Verhaltensbereiche durch die Verwirklichung ihrer Autopoiese selbst erzeugen, operational verschieden sind.

84). Aus diesem Grund erweitert er das Symbolische mit Hilfe der Psychoanalyse von Jacques Lacan (vgl. a. 1990) um die Imaginationen, „weil und insofern diese einen Zugang insbesondere zu den Gefühlslagen, den Momenten des Lebendigen, die nicht direkten Laboruntersuchungen und eindeutiger Symbolik zugänglich sind, eröffnen“ (Reich 2002, 84f). , 89). , 90). , 91) aufzufassen ist. a. auch bei Reich (vgl. 2002, 18ff)) und mit dem Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun (vgl. a. 1981; 1998) substantiell erweitert worden.

Download PDF sample

Rated 4.58 of 5 – based on 50 votes