Soziologie der Zweierbeziehung: Eine Einführung by Karl Lenz

By Karl Lenz

Die Pluralisierung von Beziehungsformen macht eine Soziologie der Zweierbeziehung erforderlich, die sowohl Ehen wie auch nichteheliche Formen einbezieht. In dieser Einführung werden die bislang verstreuten Beiträge gebündelt, systematisiert und in einer (mikro-)soziologischen Perspektive verdichtet. In Unterscheidung zu einem individuumszentrierten Ansatz, wie er in der Psychologie und der Paartherapie verankert ist, werden Zweierbeziehungen in der culture von Georg Simmel, Alfred Schütz und Erving Goffman als ein genuin soziales Phänomen aufgefasst. Neben dem Forschungsprogramm einer Soziologie der Zweierbeziehung behandelt der Autor ausführlich den Phasenverlauf von Zweierbeziehungen, die Konstruktion einer Paar-Wirklichkeit und die Emotionen in Zweierbeziehungen.

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Neben diesen beiden zentralen Abgrenzungsmerkmalen lassen sich weitere Strukturmerkmale nennen: Eine persönliche Beziehung ist gekennzeichnet durch das Vorhandensein eines persönlichen Wissens, das in eine jede Begegnung eingeht und deren Verlauf entscheidend mitprägt (vgl. auch Hohenester 2000; Asendorpf/Banse 2000). Dieser Wissensvorrat umfasst dabei nicht nur Wissen über die andere Person, sondern immer auch Wissen über "unsere Beziehung". Ich weiß nicht nur, dass A "launisch", "eifersüchtig" und "leicht zu begeistern" ist, sondern ich habe auch eine Vorstellung über die Geschichte unserer Beziehung, über ihre Qualität, darüber, was ich von ihr/ihm zu erwarten habe, ein Rezeptwissen, wie wir mit unserer Beziehung umzugehen haben, und auch Vorstellungen darüber, wie ich in der Beziehung von außen wahrgenommen werde und andere unsere Beziehung insgesamt sehen.

In der Betrachtung des Paares steht für ihn das Problem im Mittelpunkt, "wie durch Beziehungen des einen Menschen zum anderen jeder von beiden veranlasst wird, sich anders zu verhalten, als wenn er bloß sich selbst (und seiner eigenen Seele) überlassen wäre" (Wiese 1966: 463). Das Paar í so seine Feststellung í handelt immer anders als jeder Einzelne allein oder wenigstens (bei starkem Überwiegen eines Partners) als der eine von beiden (der Passivere) allein handeln würde. Dieses Argument der emergenten Qualität wird auch von Goffman bei seinem Unternehmen verwendet, Interaktionen als einen eigenständigen Forschungsbereich einzuführen.

Verwendete Begriff ist nicht der einzige, der als Leitbild für die verschiedenen Beziehungsformen gebraucht wird, auch wenn dies meist ohne inhaltliche Begründung stillschweigend geschieht, um die klaffende kategoriale Lücke zu schließen. Andere häufig gebrauchte Begriffe sind die der intimen Beziehung, Intimbeziehung bzw. Intimität (vgl. Davis 1973; Luhmann 1982; Jamieson 1998), die allerdings unterschiedlich breit verwendet werden. In einer breiten Variante werden neben "Liebenden" und "Ehegatten" auch Freunde und Geschwister eingeschlossen, manchmal gar auch Eltern-Kind-Beziehungen.

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